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Chronikblätter von Jörg-Dieter Ulrich 3

Unser Dorf hatte sich nach dem 1. Weltkrieg relativ schnell erholt. Die "Goldenen Zwanziger" brachten das Leben wieder in Schwung. 13 neue Wohnhäuser wurden gebaut, die Einwohnerzahl stieg auf über 900 an; 1939 waren es 994. Doch die Nacht des Faschismus zog herauf.

Am 30. Januar 1933 ernannte der greise Reichspräsident Hindenburg Hitler zum Reichskanzler.

Für unser Land kam die traurigste und schrecklichste Zeit seiner langer Geschichte. Und so begann sie in Götz:

Unsere Gemeinde hatte 1933 acht Gemeindevertreter. Demokratisch waren sie von den Bürgern gewählt worden. Doch die Nationalsozialisten ließen nur ihre Gefolgsleute gelten und enthoben ihre Gegner einfach aller Ämter. Im Protokoll der Gemeindevertretersitzung vom 7. Juli 1933 liest sich das so:

"Der Gemeindevorsteher gibt bekannt, daß die Vertreter der SPD auf Fügung des Landrates von der Ausübung ihrer Mandate ausgeschlossen worden sind. Die Gemeindevertretung besteht nur noch aus 5 Mitgliedern."

So einfach war das. Was die Götzer gerade noch verkraften konnten, wurde für Deutschland und letztlich fast für die ganze Welt zur Katastrophe. Von 1939 bis 1945 tobte der 2. Weltkrieg und brachte Tod, Elend und Verwüstung. Wenn Götz auch von direkter Zerstörung verschont blieb, so war die Zahl der Kriegsopfer groß.

Nirgendwo und zu keinem Anlaß wurde ihrer in den Nachkriegsjahren gedacht. Niemand kennt die Zahl der gefallenen Väter und Söhne, nirgendwo steht für sie ein Stein, der Erinnerung und Mahnung zugleich sein könnte. Mag das letzte Opfer des Krieges in Götz erschütternde Mahnung sein. Horst Fischer berichtet:

"Als der Krieg eigentlich schon vorbei war, rollten sowjetische Panzer in den Vormittagsstunden des 24. April 1945 von Groß-Kreutz in Richtung Götz. Ich hatte Genesungsurlaub und befand mich zu der Zeit in meinem Elternhause. Einige Leute waren noch beim Einkauf in unserer Bäckerei an der Chaussee. Flüchtlinge und versprengte Soldaten suchten vor den Panzern Deckung. Da fiel ein Schuß aus einer Panzerkanone. Ich hörte die laute Detonation und lief auf die Straße. Etwa 50 m von unserer Bäckerei entfernt lag ein 13jähriges Mädchen aus Schenkenberg mit seinem Fahrrad neben der Chaussee.

Das Mädchen schrie furchtbar, weil ihm die Panzergranate ein Bein und einen Teil der Hüfte weggerissen hatte. Wir konnten dem Mädchen leider nicht mehr helfen, es erlag kurze Zeit später seinen schweren Verletzungen."

 

Nachkriegszeit und Spaltung

Was Deutschland und die Deutschen vielen Völkern und Millionen von Menschen an Zerstörung, Tod, Wunden und Schmerzen zugefügt hatten, traf nun die Deutschen mit aller Härte. Die Menschen aus Pommern, Schlesien, Ost- und Westpreußen mußten ihre geliebte Heimat verlassen. Viele von ihnen suchten auch in Götz Unterkunft. So stieg trotz der vielen Kriegsopfer die Zahl der Einwohner 1946 auf 1110. Die Not war groß. Doch der Wille, sich ein besseres Deutschland zu schaffen, brachte ungeahnte Kräfte und neue Hoffnungen für die alten und die neuen Götzer. Langsam begann das Leben wieder zu pulsieren. 1945 schrieb der Lehrer Münchau in die Schulchronik: "Der Ruf, Friedensweihnachten 1945 festlich zu begehen, ist auch von der Gemeinde Götz tatkräftig aufgenommen worden. Die gesamte Einwohnerschaft beteiligte sich an der Vorbereitung zur Bescherung der Kinder. Schulkinder gingen mit Sammellisten in die Häuser, um die bereitgestellten Gaben in Empfang zu nehmen.

Es wurden Kleidungsstücke und Spielsachen gespendet. Auch Sirup und Mehl fehlten nicht, davon wurde Honigkuchen gebacken..."

Doch die Sorgen blieben noch lange. Die Lehrerin G. Schulze notierte 1948 in der Schulchronik: " Durch die Kreisämter ist den Schulen Besohlungsmaterial zur Verfügung gestellt worden, welches jeweils von Werder abgeholt wird. Es wird zwar in kleinen Mengen verteilt, doch konnten immerhin bisher 7 Schülern die Schuhe besohlt werden. Die Aktion läuft weiter..."

Viele Götzer sind von nun an Zeitzeugen der Entwicklung, haben sie selbst getragen, haben darunter gelitten, sich gegen sie gestellt oder versucht sie menschlich und vernünftig zu beeinflussen, so weit sie das konnten und durften. Die Siegermächte hatten im Potsdamer Abkommen Deutschland unter sich geteilt und waren nach kurzer Zeit bereits zu erbitterten Gegnern geworden. Deutschland war gespalten und blieb es fast 45 Jahre. Jede Siegermacht setzte nun seine Vorstellungen von Sühne Deutschlands und Neuaufbau in seiner Zone um.

Die Geschichte hat gezeigt, wie unterschiedlich groß die Opfer waren, die die Deutschen tragen mußten. Die Völker der damaligen Sowjetunion, selbst Opfer einer grausamen Diktatur, hatten durch den Krieg besonders gelitten. Ihre Forderungen an die Ostdeutschen waren groß.

Der Marshallplan und der Aufbau demokratischer Strukturen in den Westzonen ließen bald den Unterschied zwischen Wiederaufbau in Ost- und Westdeutschland erkennen und führten letztlich zu dem bis 1989 währenden, zeitweilig gnadenlosen Kampf der Weltsysteme. Das Ende haben wir hinter uns gebracht und richten alle unsere Hoffnungen auf den Neubeginn im endlich wieder vereinigten Deutschland. 

 

 

 

 

Herausgeber: Gemeinde Götz

Verfasser: Jörg-Dieter Ulrich

Quellen- und Literaturnachweise beim Verfasser

 

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